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The Rhythm of Life Warum uns Rhythmus so gut tut

The Rhythm of Life. Warum uns Rhythmus so gut tut. Wir haben einige Jahre in Stuttgart gewohnt und meine Kinder sind dort beide in einen Waldorf-Kindergarten gegangen. Es war ein wunderschöner Kindergarten in einer alten Villa mit traumhaftem Garten. Die Einrichtungsgegenstände waren liebevoll aus Holz getischlert und haben immer wie frisch geölt geduftet. Es gab wenig Spielzeug und was es gab, kam aus der Natur oder war aus Naturmaterialien hergestellt. Alles in schönen warmen Farben gehalten. Beide Kinder haben ihre Zeit dort sehr genossen und ich bin froh und dankbar für alles, was sie dort erfahren, begreifen und lernen durften. Aber nicht nur die Kinder haben viel gelernt, ich auch. Was mich dabei fasziniert hat: In der Waldorfpädagogik gibt es viele Parallelen zur Yogaphilosophie & -lebensweise. Denn auch Rudolf Steiner, der Vater der Waldorfpädagogik und Begründer der Anthroposophie, hatte die großen Yogaschriften gelesen. Er hat sie zwar für Europäer als nicht praktikabel bezeichnet (das war um das Jahr 1900 herum). Aber dennoch scheint er Inspiration in ihnen gefunden zu haben.

Was mich gleich zum Nachdenken gebracht hat, war die Bedeutung von Rhythmus. Rhythmus heißt, dass Ähnliches immer wieder wiederholt wird. Als Vorbild dient hier die Natur. Denn in der Natur folgt alles einer rhythmischen Ordnung. Sonne und Mond folgen einem universellen Rhythmus. Somit gibt es Tag und Nacht, Jahreszeiten und auch die Gezeiten. Pflanzen und Mineralien wachsen im Rhythmus und auch unser menschliches Leben folgt vorgegebenen Rhythmen. Unser Atem folgt dem Rhythmus von Aus- und Einatmung und unser Herz schlägt in seiner eigenen rhythmischen Frequenz.

Dieser von der Natur vorgelebte Rhythmus gibt uns Halt und Orientierung und öffnet uns somit Raum für persönliche Entwicklung. In der Waldorfpädagogik ist dies umgesetzt in eine sich immer wiederholende Gestaltung des Tages-, Wochen- und Jahresrhythmus. Jeder Tag hat seinen Rhythmus: eine feste Bringzeit, Freispiel, Aufräumen Frühstück… So verläuft Tag für Tag in einer festen Ordnung. Und auch der Wochenrhythmus ist vorgegeben: was am Montag ist habe ich vergessen 😉  Aber dienstags machen die Kinder Brötchen selbst, mittwochs ist Waldtag, donnerstags gibt es den leckersten Hirsebrei überhaupt und freitags Birchermüsli. Es gibt feste Tage für malen, kneten mit Bienenwachs und Eurythmie. Im Jahresverlauf wird besonderen Wert auf die Feste gelegt und die Räumlichkeiten werden passend dazu geschmückt. Jahr für Jahr immer wieder gleich. So habe ich mich jedes Jahr wieder gefreut, wenn im November die Hottinger aufgestellt wurden. Das sind kleine und irre niedlich aussehende handgestrickte Zwerge.

Neben den Jahresrhythmen hat auch der Wechsel von Ein- und Ausatmung, von Aufnahme und Verarbeitung eine heilende Wirkung und schenkt den Kindern Geborgenheit sowie Vertrauen in sich selbst und die Welt. So können Kinder Fingerspiele, Lieder, Märchen und Sprüche immer wieder hören und durch die stete Wiederholung lernen sie diese ganz selbstverständlich, ohne dass sie ihnen intellektuell erklärt werden müssten.

Als Erwachsene sind wir nicht mehr so stark an Rhythmen gebunden. Wir können nachts arbeiten und tagsüber schlafen und uns auch sonst unser Leben gestalten, wie wir lustig sind. Dennoch gilt für uns Erwachsene das gleiche wie für Kinder: Rhythmus gibt uns Orientierung. Er schenkt uns Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen. Mein Hausarzt in Stuttgart meinte immer, dass Rhythmus das wichtigste ist, um gesund zu bleiben. Daran muss ich immer denken, wenn ich mal krank bin und ich weiss dann auch schnell, woran es liegt… Da wir als Erwachsene heutzutage nur noch wenig vorgegebene Strukturen haben, ist es an uns, unseren eigenen Rhythmus zu finden. Gerne auch immer mal wieder neu.

Hast du feste Tages-, Wochen- und Jahresrhythmen? Lebst du diese tatsächlich? Ich finde es schön, sich seinen Rhythmus einmal auf Papier zu bringen. Das bringt so viel Klarheit und zeigt auf, wie frei wir dadurch sind. Probier es doch einmal aus. Vielleicht kannst du so auch deinen eigenen Rhythmus neu definieren.

Und wusstest du, dass Schlafstörungen oft auf mangelnden Rhythmus zurückzuführen sind? Wenn du Schlafstörungen hast, dann bring auf jeden Fall mal alles zu Papier und schaue, wo du optimieren kannst und ob du deinen Rhythmus auch tatsächlich lebst.

Was ich dabei aus dem Yoga noch gelernt habe (um noch etwas Yogabezug einzubauen) ist der Grundsatz, dass aller Rhythmus immer zwischen zwei Polen stattfindet. Rhythmus hat immer ein Anfang und ein Ende. Und an den Polkappen, den Umkehrpunkten kommt es zu einem kurzen Moment der Ruhe. Beim Atmen ist das der Wechsel, wenn der Einatem in den Ausatem übergeht. In diesem kurzen Ruhemoment zwischen den beiden Extremen können wir ganz zur Ruhe kommen und die zeitliche Dimension vergessen, die allen Rhythmen zugrunde liegt. Dann sind wir angekommen im Hier und Jetzt. Schließe einmal deine Augen und nimm bewusst den Wechsel wahr, wenn deine Einatmung in die Ausatmung übergeht und auch umgekehrt. Mach das ruhig eine Weile und genieße das angenehme Gefühl der Ruhe, das dabei entsteht.

Jetzt bin ich ganz sentimental, ob all der vielen schönen Erinnerungen an unsere Stuttgarter Kindergartenzeit. Wohl auch, weil mein Großer mich erst letzt gefragt hat, ob er mal wieder diese leckeren Brötchen aus seinem Kindi machen könnte 🙂

Und noch ganz kurz in eigener Sache: Wie gefällt euch mein neues Weblayout und die neue „Über mich„-Seite? Als nächstes ist der Newsletter dran und auch einige der Seiten müssen neu bearbeitet werden…

 Namasté und sonnige Urlaubsgrüße

eure Eva, xx

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